KIRCHENCHRONIK

a Kirche-zeichnung

Die Chronik des Kirchenbaus in Landkern, St. Servatius.

 

Von Ulrike Berenz, Greimersburg 1990

 

 

Die Baugeschichte der Pfarrkirche St. Servatius in Landkern

Die Vorgeschichte der Erbauung der katholischen Pfarrkirche "St.Servatius" zu Landkern beginnt bereits im Jahre 1840. Denn in einem Brief von der königlichen Regierung in Koblenz an den damaligen Cochemer Landrat Oster vom 3.7.1840 bestätigt der Präfekt der Regierung, dass an der Landkerner Kirche dringend Reparaturen notwendig seien.
Da die Sakristeidecke und der Turm einzustürzen drohten, rät er, einen Bausachverständigen mit einem Kostenanschlag zu beauftragen. Außerdem wundert er sich, dass solche gravierenden Mängel nicht schon längst beseitigt worden sind.
In einem Antwortschreiben vom 15.9.1840 schildert der Landrat den Sachverhalt so: Der Bürgermeister Diedenhofen von Kaisersesch hatte gegenüber dem Pfarrer von Landkern, Dr. Piesbach, sowie bereits dessen Vorgänger zwar mehrmals Versprechungen gemacht, die Schäden an der Kirche zu beheben.
Jedoch waren die dringend notwendigen Reparaturen bislang nicht durchgeführt worden. Deshalb beantragt Oster ein Ordnungsverfahren gegen Diedenhofen wegen grober Fahrlässigkeit. Weiter schreibt er, dass der Bauaufseher Riemann die Reparaturkosten auf 200 Thaler veranschlagt, und er selber die Schöffenräte der Gemeinden Landkern, Greimersburg, Illerich und Wirfus mit der Beschaffung des Baufonds beauftragt hat.

Zu diesem Zeitpunkt hat Landkern bereits zwecks der Finanzierung das alte Schulhaus verkauft. Doch auch nach der Durchführung der Renovierungsarbeiten und der Errichtung einer Empore bietet die Kirche nicht genügend Platz, so dass 1842 erstmals der Plan, eine völlig neue Kirche zu bauen, Ins Auge gefasst wird. Dieses Vorhaben kann allerdings erst 17 Jahre später realisiert werden. Denn der Antrag vom 7.11.1842 der beiden Filialen Illerich und Wirfus, auf Abspaltung von der Pfarrei Landkern löste die Frage aus, ob unter diesen Bedingungen ein Neubau der Kirche überhaupt noch notwendig sei.
Der neue Landrat Schoenberger spricht sich in seinem Brief vom 28.11.1842 an die königliche Regierung in Koblenz gegen eine Teilung der Pfarrgemeinde aus, weil die notwendige Erbauung einer neuen Kirche für die gesamte Pfarrei bevorstehe. Außerdem würden die Teilpfarreien zu klein sein und folglich die Pfarrer zu schlecht besoldet werden. Stattdessen schlägt er vor, für Illerich einen eigenen Kaplan einzustellen. Als im Juli 1843 nach einem Brand in Wirfus finanzielle Unterstützung für die Geschädigten notwendig wird, besitzen die Gemeinden keine Mittel mehr für einen Neubau, so dass sich Schoenberger am 11. Juli gezwungen sieht, den Antrag für einen Neubau vorläufig zurückzunehmen. Trotzdem ist die Regierung bemüht, die Gemeinde von der Notwendigkeit eines Neuhaus zu überzeugen, zumal Illerich und Wirfus als die ärmsten Filialen innerhalb des Pfarrverbandes Landkern nie imstande sein würden, selbständig als Pfarrei zu existieren.
Letztendlich scheitern die Pläne an dem Widerstand der einzelnen Schöffenräte der 4 betroffenen Gemeinden, die untereinander so zerstritten sind, dass sie ihre Hoffnung auf Trennung der Pfarrei nicht aufgeben wollen. Außerdem sehen sie sich nicht In der Lage, die durch einen Bau anfallende finanzielle Belastung tragen zu können. Schließlich kommt es 1847 doch zur Erhebung der Pfarrei Illerich, so dass der Bau einer neuen Pfarrkirche vorläufig überflüssig erscheint.

In Briefen aus dem Jahre 1856 ist erstmals wieder die Rede von dem Bau einer neuen Pfarrkirche. Am 20.1.1856 schreibt der damalige Bürgermeister von Kaisersesch namens Zilliken an die Regierung In Koblenz über eine abgehaltene Bürgerversammlung in Landkern. Diese fand statt, weil sich die Pfarrgemeindevertretung gegen einen Neubau ausgesprochen und sogar versucht habe, die "Beschaffung des Fonds zu verhindern." Wie dies geschehen sollte, wird Im erwähnten Brief nicht geschildert. Laut Zilliken haben sich allerdings die Landkerner Bürger mehrheitlich für einen Neubau ausgesprochen, der noch im selben Jahr eingeleitet werden soll. Sie hätten nämlich eingesehen, dass die alte Kirche zu klein und die Empore bei längerem Gebrauch gefährlich sei. Zilliken erwähnt weiter: Im Jahre 1843 habe bereits die königliche Regierung diese Missstände beanstandet. Am 6.10.1851 hätten der Departementrat Halm sowie am 27.4.1852 der königliche Regierungspräsident Spankern in Begleitung des Landrats, des königlichen Baumeisters und der Bürgermeister von Kaisersesch und Cochem ebenfalls auf diese Mängel hingewiesen und die Notwendigkeit eines Neubaus bestätigt. Ferner habe die Versammlung beschlossen, dass die Gesamtkosten 16.000 Thaler nicht überschreiten dürfen. Laut Voranschlag sollen 13.000 Thaler für das Gebäude, 2.000 Thaler für die Inneneinrichtung und 1.000 Thaler für die Glocken verwendet werden. Die Finanzierung soll jeweils zur Hälfte auf Landkern und Greimersburg fallen.
Zur Finanzlage Landkerns sagt Zilliken im gleichen Brief, dass die Gemeinde jährlich 300 Thaler für den Kirchbau bereitstellen kann. Aus einer anderen Quelle geht hervor, dass Landkern insgesamt 800 Morgen Waldungen und 1000 Morgen sonstige Ländereien besitzt und dass die erwähnten 300 Thaler aus der Pacht für 250 Morgen Gemeindeland stammen. Zilliken teilt in seinem obigen Brief an die Regierung mit, dass die Gemeinde Landkern noch zusätzlich eine Summe von 5.000 Thalern bei der Provinzialhilfskasse leihen muss. Dieses Darlehen soll durch die weitere Verpachtung von Gemeindeland gedeckt.
Obwohl die Finanzlage von Greimersburg Zilliken nicht bekannt ist, ist er überzeugt, dass diese Gemeinde das nötige Geld vor allem durch den Verkauf von Gemeindeländerein aufbringen kann. Ein weiterer Beschluss sei gewesen, eine Baukommission zu bilden. Diese soll aus dem Pfarrer, den Bürgermeistern von Cochem und Kaisersesch sowie den Gemeindevorstehern von Greimersburg und Landkern bestehen.

Nach Klarstellung des Finanzierungsplanes kann mit den Vorbereitungen zu dem Bauvorhaben begonnen werden. Einen ersten Schritt unternimmt der Pfarrer der Gemeinde, Pastor Kroell, als er am 18. Oktober 1856 Kontakt mit dem Kölner Architekten Vinzenz Statz aufnimmt. Er beauftragt Ihn, mit der Erstellung eines Entwurfs für eine Kirche, die für eine 1.000-Seelen-Gemeinde bestimmt ist und 2 Altäre, 2 Beichtstühle sowie einen eigenständigen Turm mit 3 Glocken haben aber nicht mehr als 16.000 Thaler kosten darf. Statz übersendet am 18. Juni 1858 den gewünschten Plan für eine neugotische Kirche und einen dazu gehörenden Kostenanschlag als Honorar erhält er 180 Thaler. Die Gründe, warum der berühmte Baumeister Statz als Architekt verpflichtet wurde, sind nicht bekannt. Allerdings waren bereits In Müllenbach (1853/1854) und Binningen (1855/1857) Kirchen nach seinen Plänen erbaut worden, so dass Statz auch in der Eifel kein Unbekannter mehr war. Vermutlich entschied man sich deshalb für den Kölner Baumeister.

Vinzenz Statz wurde am 9. April 1819 in Köln als Sohn des Schreiners Johann Statz geboren. Ab 1835 ging er bei seinem Vater in die Lehre. 1841 trat er in die Kölner Dombauhütte ein. In den folgenden Jahren legte er die Prüfungen als Zimmer ,Steinmetz und Maurermeister ab, so dass er 1845 zum Domwerkmeister ernannt wurde. Nach Ausscheiden aus der Dombauhütte 1854 wurde Statz Privatarchitekt. 1863 erfolgte die Ernennung zum Diözesanbaumeister In Köln und zum Dombaumeister in Linz/Donau, wo er auf dem Höhepunkt seines Erfolgs den größten neugotischen Dom unserer Zeit errichtete. Statz starb am 21.8.1898 in Köln.

 

 Zurück zum Bauvorhaben der Landkerner Pfarrkirche: ursprünglich soll die neue Kirche zwischen Landkern und Greimersburg errichtet werden. Schließlich zieht man aber einen Bauplatz in Nähe des Pfarrhauses und der Küsterwohnung vor und wählt den Friedhof neben der alten Kirche als Standort aus. Mittlerweile ist die alte Kirche so baufällig, dass defekte Stellen mit Strohbündeln zugestopft werden müssen. Deshalb stellt Landrat Jäger am 15.11.1857 bei der Regierung in Koblenz den Antrag auf eine Baugenehmigung. Am 16.1.1858 erteilt die Regierung ihre Zustimmung zu diesem Antrag und erklärt sich einverstanden mit dem Vorschlag, die Gelder durch Holzhiebe und Landversteigerungen zu beschaff Allerdings unter der Bedingung, dass das Einverständnis der bischöflichen Behörde eingeholt wird.
Auf diese Forderung reagiert Jäger In einem Brief an Mathias Heinrich Duhr, den neuen Bürgermeister von Kaisersesch, mit den Worten :"In Bezug auf Beschaffung der Mittel steht der bischöflichen Behörde eine Mitbestimmung nicht zu!" Im Frühjahr des gleichen Jahres gehen beim Kaisersescher Bürgermeisteramt die ersten Bewerbungen um Ausführung der Bauarbeiten ein. Bereits Im Januar 1858 hat sich der Bürgermeister Duhr bemüht, beim Generalvikariat und dem Verwalter des Grafen Kesselstadt eine Genehmigung für die Veräußerung der Kesselstädt'schen Güter In Landkern einzuholen. Denn offensichtlich sollte der Friedhof der neuen Kirche auf einer Wiese gebaut werden, die dem Grafen Kesselstadt gehörte. Vermutlich bestand eine Bestimmung, wonach diese Wiese nur zusammen mit den übrigen verpachteten gräflichen Ländereien in
Landkern, Illerich und Wirfus verkauft werden durfte. Bürgermeister Duhr bittet nämlich in einer Versammlung am 29.10.1858 die Pächter der Kessellstädt'schen Güter, von dem Pachtvertrag aus dem Jahre 1850 entschädigungslos zurückzutreten, damit endlich mit dem Bau angefangen werden kann. Wie die Angelegenheit ausging, ist aus den vorliegenden Akten nicht genau ersichtlich. Landrat Jäger schreibt In seinem Brief vom 9.2.1859 an die Regierung, dass Landkern bereits 2 Parzellen von dem gewünschten Baugrundstück gekauft hat und in nächster Zeit die restlichen 4 erstehen wird. So bliebe genügend Platz für einen großen Friedhof übrig. Daher kann man annehmen, dass es zu Gunsten der Pfarrei zu einer Einigung mit dem Grafen gekommen  ist. Außerdem berichtet Jäger in demselben Brief, dass infolge gestiegener Materialpreise statt mit den veranschlagten 16.000 nunmehr mit ca. 30.000 Thalern an Baukosten gerechnet werden muss. Besonders der Trierer Sandstein, das Hauptmaterial für den Landkerner Bau, ist erheblich teurer geworden.

Die Orgel heuteAm 14. April des gleichen Jahres findet die öffentliche Ausschreibung statt.

Zu den dort aufgeführten Kosten müssen noch 6724 Thaler, 6 Silbergroschen und 6 Pfennig für Steinhauerarbeiten, die zur Zeit der Ausschreibung bereits an den Trierer Georg Leonardi vergeben sind, sowie 1000 Thaler für Unvorhergesehenes hinzugefügt werden. Schließlich wird die Durchführung des Baus dem Bauunternehmer und Maurermeister Anton Welsch aus Münstermaifeld zugesprochen. Leitender Baubeamter wird der am 31.7.1816 geborene Koblenzer Stadtbaumeister und Regierungsbauinspektor Hermann Nebel, der Sohn des Bauinspektors Ferdinand Nebel (1782/1860).

Im Februar 1859 werden Versuchsgrabungen auf dem Baugrundstück bis in eine Tiefe von 8 Fuß (ca. 2,40m) durchgeführt. Dabei stößt man auf keinen festen, steinigen Boden sondern nur auf weichen Schiefer. Obwohl die Regierung Vorschläge zur Verbesserung der Fundamente macht, halten sowohl der leitende Baubeamte Nebel als auch der Bauunternehmer Welsch den Grund, einen lehmhaltigen Kiessandboden für gut.



 

Der Schutzpatron St. ServatiusZurück zum Bauvorhaben der Landkerner Pfarrkirche: ursprünglich soll die neue Kirche zwischen Landkern und Greimersburg errichtet werden. Schließlich zieht man aber einen Bauplatz in Nähe des Pfarrhauses und der Küsterwohnung vor und wählt den Friedhof neben der alten Kirche als Standort aus. Mittlerweile ist die alte Kirche so baufällig, dass defekte Stellen mit Strohbündeln zugestopft werden müssen. Deshalb stellt Landrat Jäger am 15.11.1857 bei der Regierung in Koblenz den Antrag auf eine Baugenehmigung. Am 16.1.1858 erteilt die Regierung ihre Zustimmung zu diesem Antrag und erklärt sich einverstanden mit dem Vorschlag, die Gelder durch Holzhiebe und Landversteigerungen zu beschaff Allerdings unter der Bedingung, dass das Einverständnis der bischöflichen Behörde eingeholt wird.
Auf diese Forderung reagiert Jäger In einem Brief an Mathias Heinrich Duhr, den neuen Bürgermeister von Kaisersesch, mit den Worten :"In Bezug auf Beschaffung der Mittel steht der bischöflichen Behörde eine Mitbestimmung nicht zu!" Im Frühjahr des gleichen Jahres gehen beim Kaisersescher Bürgermeisteramt die ersten Bewerbungen um Ausführung der Bauarbeiten ein. Bereits Im Januar 1858 hat sich der Bürgermeister Duhr bemüht, beim Generalvikariat und dem Verwalter des Grafen Kesselstadt eine Genehmigung für die Veräußerung der Kesselstädt'schen Güter In Landkern einzuholen.Das rechte Seitenschiff Denn offensichtlich sollte der Friedhof der neuen Kirche auf einer Wiese gebaut werden, die dem Grafen Kesselstadt gehörte. Vermutlich bestand eine Bestimmung, wonach diese Wiese nur zusammen mit den übrigen verpachteten gräflichen Ländereien in Landkern, Illerich und Wirfus verkauft werden durfte. Bürgermeister Duhr bittet nämlich in einer Versammlung am 29.10.1858 die Pächter der Kessellstädt'schen Güter, von dem Pachtvertrag aus dem Jahre 1850 entschädigungslos zurückzutreten, damit endlich mit dem Bau angefangen werden kann. Wie die Angelegenheit ausging, ist aus den vorliegenden Akten nicht genau ersichtlich. Landrat Jäger schreibt In seinem Brief vom 9.2.1859 an die Regierung, dass Landkern bereits 2 Parzellen von dem gewünschten Baugrundstück gekauft hat und in nächster Zeit die restlichen 4 erstehen wird. So bliebe genügend Platz für einen großen Friedhof übrig. Daher kann man annehmen, dass es zu Gunsten der Pfarrei zu einer Einigung mit dem Grafen gekommen  ist. Außerdem berichtet Jäger in demselben Brief, dass infolge gestiegener Materialpreise statt mit den veranschlagten 16.000 nunmehr mit ca. 30.000 Thalern an Baukosten gerechnet werden muss. Besonders der Trierer Sandstein, das Hauptmaterial für den Landkerner Bau, ist erheblich teurer geworden.

Am 14. April des gleichen Jahres findet die öffentliche Ausschreibung statt.

Zu den dort aufgeführten Kosten müssen noch 6724 Thaler, 6 Silbergroschen und 6 Pfennig für Steinhauerarbeiten, die zur Zeit der Ausschreibung bereits an den Trierer Georg Leonardi vergeben sind, sowie 1000 Thaler für Unvorhergesehenes hinzugefügt werden. Schließlich wird die Durchführung des Baus dem Bauunternehmer und Maurermeister Anton Welsch aus Münstermaifeld zugesprochen. Leitender Baubeamter wird der am 31.7.1816 geborene Koblenzer Stadtbaumeister und Regierungsbauinspektor Hermann Nebel, der Sohn des Bauinspektors Ferdinand Nebel (1782/1860).

Im Februar 1859 werden Versuchsgrabungen auf dem Baugrundstück bis in eine Tiefe von 8 Fuß (ca. 2,40m) durchgeführt. Dabei stößt man auf keinen festen, steinigen Boden sondern nur auf weichen Schiefer. Obwohl die Regierung Vorschläge zur Verbesserung der Fundamente macht, halten sowohl der leitende Baubeamte Nebel als auch der Bauunternehmer Welsch den Grund, einen lehmhaltigen Kiessandboden für gut.

 

So erfolgt am 14.8.1859 die Grundsteinlegung zu der im neugotischen Stil gehaltenen Kirche.

Das Fundamentmauerwerk wird ganz nach den Originalplänen von Statz ohne Vertiefungen und Verbreitungen wie von der Regierung vorgeschlagen ausgeführt. Im März 1860 trifft per Schiff die erste Ladung zum Teil verzierter Hausteine aus Trier in Cochem ein. Von dort werden die Insgesamt ca. 3.000 Zentner schweren und 4000 Thaler teuren Steine mit Pferdefuhrwerken nach Landkern transportiert. Im Mai folgt eine zweite Ladung zu 2.000 Thalern. Ende 1859 ist der Bau bis In Höhe der Fensterbänke fertiggestellt. Im 2. Baujahr werden das Hauptschiff und der Turm bis zur Höhe der Seitenschiffe hochgezogen und die Seitenschiffe eingedeckt. 1861 wird das Hauptschiff beendet, der Dachstuhl gemacht und der Turm ausgebaut.
Am 29.10.1861 stellt Landrat Jäger den Antrag, die alte Kirche abzureißen, da die neue spätestens im Herbst des folgenden Jahres fertig sein soll. Die alten Materialien sollen für den Bau der Kirchhofsmauer sowie für Kirchenstühle und Platten in der Greimersburger Kirche verwendet werden. Da aus der alten Kirche für die neue nichts übernommen werden kann, so dass eine völlig neue Inneneinrichtung nötig ist (allein 4o Betstühle kosten 1.666 Thaler), beschließt der Landkerner Gemeinderat am 28.2.1861 die nun auf 35000 Thaler angestiegenen Kosten durch erneute Geländeversteigerungen zu finanzieren. Drei Wochen später nimmt die Gemeinde Greimersburg bei dem Kaufmann Mathias Josef Burkau eine Anleihe von 6.900 Thalern auf.

Im Frühjahr 1862 Ist der Bau bereits fertiggestellt, so dass die alte Kirche abgerissen werden kann. Nach einer Revision durch den Baubeamten Nebel am 10.Juli 1862 werden die geleisteten Arbeiten des Bauunternehmers Welsch mit 16.655 Thalern, 24 Silbergroschen und 8 Pfennig berechnet. Außerdem wird zur gleichen Zeit eine Rechnung über 3.057 Thaler an Statz fällig, der fast die gesamte Inneneinrichtung (Hochaltar, 2 Seitenaltäre, Kommunionbank, Taufstein, Kanzel und ähnliches) in Köln beschafft hat.
Daraufhin sehen sich die Gemeinden veranlasst, einen erneuten Kredit über 1300 Thaler bei der Provinzialhilfskasse aufzunehmen. Zu dieser Zeit betragen die Ausgaben bereits 40.500 Thaler. Eine Orgel für 2.100 Thaler  und 2 Glocken für 1.650 Thaler  müssen noch angeschafft werden. Alles In allem werden sich die Kosten des Neubaus insgesamt auf ungefähr 50.000 Thaler erhöhen. Am 22. Juli 1862 nimmt Bischof Wilhelm Arnoldi die feierliche Konsekration des Neubaus, der wie die alte Kirche dem heiligen Servatius geweiht ist, vor.

 
 

Die Kirche bis heute

Die Landkerner Pfarrkirche Ist keineswegs ein beständiger, stabiler Bau wie man angesichts der massigen Größe meinen könnte. Bis zur Gegenwart waren ständige Reparaturarbeiten an der Kirche notwendig. Dadurch wurde die Pfarrgemeinde immer wieder finanziell stark belastet.
Der AltarraumDie ersten Mängel zeigten sich bereits 1863, nur ein Jahr nach der Einweihung der Kirche. Daher wirft sich die Frage auf, inwieweit die Arbeiten des Bauunternehmers Welsch schuld an der Baufälligkeit waren. Ursprünglich sollte laut Vertrag der gesamte Mauersand aus Brieden bei Kail beschafft werden, wo es feinen, weißen Sand von hoher Qualität gab. Allerdings hielt sich Welsch nicht an diese Vereinbarung: Dem Briedener Sand wurde schlechter, billiger Flößsand und sogar Dreck beigemischt, weil Welsch die Anfuhr zu teuer war. Folglich musste der Mörtel lehmig und unabgebunden werden. Auch unter die verwendeten Grauwacke- Bruchsteine mengte man weiße Steine aus dem Bruch Schwindehammer, der nahe bei der Baustelle lag.
So ist es nicht verwunderlich, dass sich bereits 1861 den Bauarbeitern ein Senken des Turmes zeigte. Doch auch durchgeführte Verbesserungsversuche an den Rahmenstücken des Dachstuhls konnten ein weiteres Senken des Turmes nicht aufhalten. Außerdem wölbte sich die Treppe des Hauptportals. Welsch ließ diesen Fehler sofort ausbessern. Offensichtlich waren jene Mängel weder der Pfarrgemeinde noch der Baukommission und dem Bauleiter Nebel bekannt.
Erst als sich 1865 bedenkliche Risse besonders am Untergeschoss des Turmes und am Kirchenschiff zeigten, wurde Welsch zur Ausbesserung kleinerer Schäden wie das Verstreichen von Rissen angehalten. Die Zerstörungen nahmen jedoch so sehr zu, dass 1867 eine 16cm breite Trennungsfuge zwischen Turm und Kirchenschiff entstanden war, wodurch sich der Turm bedenklich nach Westen überneigte.
Nach der Besichtigung der Kirche durch den Regierungs und Baurat Junker aus Koblenz am 3.12.1868 reichten die Gemeinden Greimersburg und Landkern am 28.desselben Monats beim Landgericht in Koblenz die Klage gegen Welsch ein. Allerdings wurden die klägerischen Gemeinden im Februar 1872 vom Gericht abgewiesen mit der Begründung, dass Welsch unter der Leitung eines Baubeamten gearbeitet habe und deshalb nicht zur Verantwortung gezogen werden könne. Außerdem seien die aufgetretenen Schäden hauptsächlich auf den schlechten Baugrund, der von dem Bauleiter als gut befunden worden war, zurückzuführen.
Noch im gleichen Jahr, am 11. Mai, legten die beiden Gemeinden Berufung beim Appelationsgerichtshof in Köln ein. Ein erneutes Gutachten durch einen Sachverständigen kam nach Ausgrabungen in der Kirche zu dem Ergebnis, dass sich nur 1,1m unter der Fundamentsohle des Bodens fester Boden befand. Deshalb wurde Welsch am 30.5.1874 dazu verurteilt, ein Viertel der Kosten für die ausstehende teilweise Abtragung des Turmes zu tragen. Von einer Klage gegen Nebel wurde abgesehen, nachdem sich der Baurat bereit erklärt hatte, eine gewisse Summe an die Gemeinde zu zahlen.

Ein Jahr später wurde unter der Leitung des königlichen Kreisbaumeisters Zweck aus Mayen mit der Abtragung des Turmes bis in Höhe des Mittelschiffs begonnen. Außerdem wurden provisorische Reparaturen durchgeführt wie z.B. die Errichtung eines Strebepfeilers zwischen der Nordseite des Turmes und dem Seitenschiff. In diesem unfertigen Zustand blieb die Kirche für die nächsten Jahre.
1892 war der Turmrest zu einer regelrechten Ruine verfallen, so dass ein völliger Abriss des Turmes unumgänglich schien. Allerdings sahen sich die Gemeinden nicht in der Lage, einen Neubau zu finanzieren, weil sie -wie bereits erwähnt die Mittel für den Kirchenbau durch den Verkauf von Gemeindeländereien selbst aufgebracht hatten, so dass sie nun vollkommen verarmt dastanden. Aus diesem Grunde bemühten sich bereits ab dem Jahre 1888 der Pfarrer Peter Didas und der Landratsamtsverwalter Dr. Langen bei dem Bischof  Dr. Michael Felix Korum um eine Genehmigung für eine Kollekte. Am 20.1.1891 veranschlagte der königliche Wasserbauinspektor in Cochem namens Mylius die Kosten für einen Neubau des Turmes auf 33000 Mark. Doch erst Im Jahr 1893 wurde eine Kollekte innerhalb der Diözese genehmigt. Auch von staatlicher Seite erhielt die Pfarrei Unterstützung, als der Oberpräsident der Rheinprovinz am 1.12.1893 die Erlaubnis erteilte, dass Gemeindemitglieder der Landkerner Pfarrei eine Hauskollekte hei den katholischen Bewohnern der Regierungsbezirke Koblenz und Trier in dem Zeitraum vom 1.1. bis 31.12.1894 durchführten. Die beiden Kollekten brachten 4.020 Mark (Kirchenkollekte) und 11.432 Mark (Hauskollekte) ein. Zu diesem finanziellen Grundstock kam eine erneute Anleihe von 10.000 Mark beim Generalvikariat und der Erlös aus einem Sonderholzhieb.

So konnte am 1. April 1895 mit den Abrissarbeiten begonnen werden, und bereits Im Dezember 1896 war der Turm fertig gebaut. Die Kosten beliefen sich auf Insgesamt 34.675,53 Mark.

  Laut einer überlieferten Aussage von “Esper Kläs”, der damals Zimmermannlehrling war, wurde für den Turm ein 9 Meter tiefes Fundament gegraben und für die Bauarbeiten insgesamt 80 Zentner Nägel verarbeitet, die in Landkern bei “Feye Pitter” geschmiedet wurden.

Diese Erneuerung des Turmes bedeutete nicht die letzte Renovierungsarbeit an der Landkerner Pfarrkirche. Auch Im 20. Jahrhundert waren umfangreiche Sanierungen notwendig: Im Jahre 1952 wurden der Glockenstuhl erneuert, eine Heizung eingebaut und die Fundamente mittels Drainagen trocken gelegt.
1961 bis 1962 wurde die Kirche innen neu angestrichen. Die letzten Sanierungsmaßnahmen begannen im Jahre 1977 und wurden in 3 separaten Bauabschnitten durchgeführt: Der erste (1977/78) umfasste eine Sicherung der Fundamente mit Beton, ein horizontale und vertikale Isolierung gegen Feuchtigkeit sowie ein Verpressen des Turmes und des Schiffes mit Beton. Die Ausgaben dafür betrugen 326.803 DM. Der zweite Bauabschnitt erfolgte in den Jahren 1982/8.3 und kostete 246.146 DM. Hierbei wurden der Turm im Sandstrahlverfahren neu verputzt, die Gewölbe durch Beton und Zuganker gesichert und neue Fenster im Chorbereich eingesetzt.
Während des letzten Bauabschnittes 1987 sanierte man den Verputz im Langhaus und erneuerte die Außentreppe. Die Ausgaben für diesen Abschnitt beliefen sich auf insgesamt 152.986,82 DM.
Die letzte Renovierung bestand aus einem neuen Innenanstrich und Elektroarbeiten und wurde 1991 durchgeführt.

Zu der Pfarrkirche selber stellt man abschließend fest, dass sie von Anfang an unter einem unglücklichen Stern stand.
Ständig waren umfangreiche Renovierungen notwendig, die sicherlich hätten vermieden werden können, wenn während der Erbauung nicht so "gepfuscht und geschlampt" worden wäre.
Allerdings war aus den verwendeten Dokumenten nicht ersichtlich, warum der Bauunternehmer Welsch entgegen dem Vertrag so schlechte Materialien verarbeitete. Es lässt sich daher nur die Vermutung aufstellen, dass Welsch die Pfarrei betrog, um die ersparten Gelder In seine eigene Tasche zu wirtschaften. Doch auch Nebel, als leitender Baubeamter verantwortlich für die korrekte Durchführung der Bauarbeiten, hat sich mitschuldig an der extrem frühen Baufälligkeit der Kirche gemacht. Denn in der Berufungsbeschwerdeschrift (PAL) sagt der Anwalt Herbert, dass Nebel höchstens alle 23 Wochen die Baustelle besichtigt habe, weil er während der gesamten Erbauung in Koblenz wohnen geblieben wäre.

Doch schon damals wie heute scheuten die beiden Gemeinden Landkern und Greimersburg keine Mühen, um ihre Kirche zu erhalten. Das jahrelange Prozessieren gegen den Bauunternehmer, die ständigen finanziellen Belastungen sowie eine Spendenfreudigkeit (allein für die 3 Bauabschnitte zwischen 1977 und 1987 wurden 78.825,61 DM gespendet) zeugen von der Durchhaltekraft und dem Selbstbewusstsein der Pfarrei.

Trotz oder gerade wegen dieser Nachteile sind die Gemeindemitglieder auch heute noch stolz auf "ihren Dom" und ihre vollbrachten Leistungen , so dass sie auch in Zukunft vor keinen Ausgaben für anstehende Sanierungsarbeiten zurückschrecken.

 

 

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